Malerei, Kunst, Kubismus, Aquarell, Modern Art, Mond, Engel, Stephansdom
Aquarell Kunstbewegungen

Die Tür zur Welt

Das Bild vereinigt Kubismus mit traditioneller Malerei, verbindet Vorstellungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Westeuropa vorherrschten. Auf die Idee kam ich, nachdem ich den Roman „Der Komet“ von Hannes Stein (erschienen am 13.02.2014 bei Kiepenheuer & Witsch) gelesen habe. Nicht nur, dass ich den Roman urkomisch fand, sondern es wird ziemlich am Anfang über einen Künstler berichtet, der die Farbe Silber durch einen dunklen Hintergrund erzeugte. Das wollte ich genauer wissen und probierte es aus. Da ich es nicht lassen kann, nur eine Sache zu malen, nahm ich die Idee von dem Mond mit auf (dies wird ebenfalls in dem besagten Roman näher erzählt), der Film „Der blaue Engel“, der auf den Roman „Professor Unrat“ von Heinrich Mann basiert, war eine weitere Inspiration.

Der Komet“ von Hannes Stein

Die Tür zur Welt

An und für sich ist es müßig, darüber nachzudenken, wie es sein könnte, wenn ein Aspekt in der Geschichte anders verlaufen wäre, wenn der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo nicht erschossen worden wäre, doch im Roman von Hannes Stein macht die Frage „Was wäre wenn?“ durchaus Sinn.
     Hannes Stein erzählt in seinem Debütroman „Der Komet“ wie David Gottlieb, ein k.u.k. Hofastronom, sich darauf freut, für einige Zeit auf dem Mond arbeiten zu dürfen. Die Welt steht jedoch vor dem Abgrund, denn ein Komet soll in sehr naher Zukunft bei Wien einschlagen. Fieberhaft wird an der Verhinderung dieser Katastrophe gearbeitet.

David und Barbara Gottlieb sind ein sehr typisches Ehepaar; David ist auf Ruhm und Ehre aus, macht Karriere in der Donaumonarchie; Barbara ist eine sehr schöne Frau, hat wenig Interesse am Beruf ihres Mannes, hält ihm aber den Rücken frei. Sie leidet unter Langeweile. Beide gehören zur jüdischen Religion, dass das Selbstverständnis und die Auffassung ihrer Ehe prägt: „Nach den Vorschriften des Talmud war Dudu Gottlieb die Pflicht auferlegt, seine Frau entweder erotisch zufriedenzustellen oder ihr materiellen Ersatz zu leisten […]“ (S. 27)
     Das Ehepaar umgibt sich gerne mit Künstlern und Literaten und so beginnt auch der Roman mit einer Autorenlesung mit der Naturlyrikerin Ana Dalmatin. Anwesend ist auch Alexej von Repin, der ganz von dem Bild des „Höllensturzes“ von dem Künstler Levinsohn fasziniert ist. „Höllensturz“ besteht aus vielen Blautönen, die auf den ersten Blick schwarz wirken. Das Blau ist durchzogen mit vielen scheinbaren Gold- und Silberstrichen.
     Die Zusammenkunft von Künstlern, Literaten und Zuschauern ist der Beginn einer Affäre zwischen Barbara und Alexej.

Auf dem Mond darf nicht jeder arbeiten, denn er gehört den Deutschen, gemäß der Prophezeiung von Heinrich Heine:

„Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Briten.
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.“ (S. 31)

Das hat zur Folge, dass es eine Grenzkontrolle gibt und ohne Reisepass und weiteren Formalitäten kommt man nicht auf den Mond. Der Flug zum Mond ist eine Mischung aus Raketenflug und Supraleiter.

Hannes Stein wurde am 15.02.1965 in München geboren und wuchs in Salzburg auf. Er hat für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Der Spiegel“ und „Die literarische Welt“ gearbeitet. Seine letzte Veröffentlichung ist „Tschüss Deutschland. Aufzeichnungen eines Ausgewanderten“.
     Seit 2007 lebt er in New York.

Sein Debütroman ist in einem leichtflüssigen Stil, eine Mischung aus vielen historischen Elementen, Science-Fiction, Schlüsselfiguren und einigem mehr; letztendlich handelt es sich um einen historischen Roman mit einem hohen Verfremdungseffekt. Einerseits ist der Roman durch die Verfremdungseffekte humorvoll, andererseits bietet es die Möglichkeit, über die Geschichte auf dem europäischen Kontinent zu Beginn des 20. Jahrhunderts neu nachzudenken. Hilfreich ist dabei der Anhang, indem zahlreiche historische Tatsachen beschrieben sind. Manches kommt einem vertraut vor, anderes weniger.

Das Dritte Reich findet als Träume bei zwei verschiedenen Menschen statt, woran sich die Psychoanalytiker ihre Gehirne zermartern, weil sie es nicht zugeordnet bekommen.
     Die Namen der Figuren sind zum Teil Anspielungen auf gegenwärtige Personen, andere sind Anspielungen auf vergangene. Bei manchen Namen ist es nicht unbedingt eindeutig, wie beispielsweise der Protagonist David Gottlieb hat den Spitznamen „Dudu“. Dieser Spitzname kann eine Anspielung auf die internationale dadaistische Bewegung sein, genauso gut kann es eine Anspielung auf einen Drachen sein, der in einigen Kinderfilmen und –büchern auftritt.
     Zu einigen bekannten Autoren aus der Epoche der literarischen Moderne wie Rainer Maria Rilke und Franz Werfel werden Bezüge hergestellt und neu interpretiert. Kurze philosophische Ausflüge wie zur Schönheit und Gewalt runden den spannenden Roman ab.

Hannes Stein gelingt es, viele Aspekte aus der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinen Roman geschickt einzuflechten, wie beispielsweise, dass Barbara Gottlieb unter Langeweile leidet, wie es bei den Expressionisten des Öfteren beschrieben wird.
     Das Haus des Ehepaars Gottlieb wird Künstlern und Literaten sowie auserwählten Zuhörern zur Verfügung gestellt, die sich in einem „Salon“ treffen, was für die Zeit sehr typisch ist.
     Vor allem der Psychoanalytiker Sigmund Freud ist für die literarische Epoche nicht wegzudenken. Viele Autoren beziehen sich direkt oder indirekt auf Sigmund Freud. Ein Beispiel dafür ist Franz Kafka. Hannes Stein nimmt die Berufsgruppe der Psychoanalytiker eher weniger ernst, die lächerlich erscheinen, dass zum Teil aber daran liegt, dass wir heutzutage den historischen Verlauf kennen.
     Die Gefahr des Kometen und das Arbeiten auf dem Mond ist ein Kennzeichen des Zeitgeistes: der Glaube an die Naturwissenschaften und Technik.

Im Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren und der Überschwemmung des Buchmarktes mit Sachbüchern und Belletristik, fällt der Roman von Hannes Stein in angenehmer Weise aus dem Rahmen. Mit viel Humor bleibt die Ernsthaftigkeit trotz allem durchweg erhalten.


Das Aquarell gehört zur Werkgruppe Kunst wie auch zur Werkgruppe Literatur.

Angaben zum Bild:

Malerei, Kunst, Kubismus, Aquarell, Modern Art, Mond, Engel, StephansdomTitel: Die Tür zur Welt
Aquarell auf Papier
entstanden: 2014
Größe: 48 cm x 36 cm
Signatur: hinten

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> Bilder von der Ausstellung Im Wandel.


Angaben zum Buch:

Hannes Stein: Der Komet
Roman
272 Seiten
Taschenbuch
erschienen: 13.02.2014
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04628-1
Preis: 8,99 €

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