Oper, Richard Strauss, Salzburger Festspiele 2020, Kubismus, Surrealismus
Aquarell

Elektra und das Band

Nachdem Agamemnon ermordet wurde, der Vater von Iphigenie, Elektra und Orest, ist in Elektra etwas zerbrochen, ihre Seele besteht nunmehr aus mehreren Teilen. Für ihr Seelenheil sieht sie nur einen einzigen Ausweg: der Mord an ihrem Vater muss gesühnt werden und so schmiedet sie Rachepläne. 

Dieses Thema griff der antike Autor Sophokles in seiner Tragödie Elektra auf, später wurde es in sämtlichen Variationen adaptiert, unter anderem von Richard Strauß (Uraufführung am 25.01.1909), der daraus eine Oper kreierte. Wie schon im Zusammenhang der Skizze Elektra erwähnt, wurde diese Oper zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2020 aufgeführt.

Die Künstlerin Sabeth Faber zeigt Elektra in einem Zustand der Zerrissenheit, unter anderem dargestellt durch das gelbe und rote Gesicht, Neid und Zorn sind seit dem Mord an ihrem Vater ihre ständigen Begleiter. Um dem Seelenzustand von Elektra zu unterstreichen, der in gefühlten tausenden von Teilen zersplittert ist und man nur noch die Gesamtperson erahnen kann, wählte die Künstlerin die kubistische Form mit einer leichten Tendenz zum Surrealismus. Die Berge im Hintergrund sind genauso in Einzelteilen zersplittert wie der Fluss (Salzach). Erstaunlich ist nicht nur, dass der mittlere Streifen dunkel gehalten ist – normalerweise gibt es eine gehäufte Tendenz, dass es von unten nach oben immer heller wird – sondern das man fast als Betrachter*in spürt, wie sehr Elektra an dem schwarzen Band, der um ihre Taille liegt, zieht, zugleich sieht man auch ihre tiefe Traurigkeit. Geschickt nutzte die Künstlerin die beiden Köpfe für die Darstellung des linken Gesichtes.
Die beiden Pflanzen, die zugleich als Beine der Person Elektra dienen, sind kantig, zackig, die Blätter können genauso gut Dornen sein. Hierbei griff die Künstlerin zum Surrealen und ja, der Rachedurst ist surreal. Mit jedem Gedanken an Rache kommt Elektra nicht einer Heilung näher, im Gegenteil, sie entfernt sich davon immer mehr und ihr innerer Zustand zersplittert sich in weitere Teile auf.
Bemerkenswert sind die Berge, die je nach Sichtweise mal einen Diamanten andeuten, mal Dreiecke, mal ein Gesicht. Im Gespräch mit Sabeth Faber wurde jedoch deutlich, dass nichts davon ihre Absicht war, diese Teile sind zufällig entstanden, machen es aus meiner Sicht jedoch äußerst spannend, denn sobald man was erkannt haben möchte, verschwimmt dies wieder, wenn man sich einem anderen Teil der Bergkette widmet.
Und selbst die Fließrichtung des Wassers, von rechts nach links, wird durch die vier weißen schmalen Dreiecke sichtbar.

Mal abgesehen davon, dass in solchen Zeiten wie diese die Salzburger Festspiele eine willkommene Abwechslung bieten, gibt es für Sabeth Faber eine besondere Affinität zu Österreich sowie zu Salzburg. Ihre Mutter stammt aus Österreich, in ihren jungen Jahren war sie bei den Pallottinern im Kloster auf dem Mönchsberg, der unter dem Namen Johannes-Schlößl firmiert. Obgleich die Künstlerin noch nicht allzu oft in der Mozartstadt war, so kann sie sich an den Mönchsberg sowie an den Marktplatz erinnern, jedoch nur bruchstückhaft. Diese Erinnerungsstücke hat sie mit in das Aquarell aufgenommen.

Das Aquarell gehört zur Werkgruppe Musik und zur Werkgruppe Literatur.

Oper, Richard Strauss, Salzburger Festspiele 2020, Kubismus, SurrealismusTitel: Elektra und das Band
Aquarell auf Papier
entstanden: 07.08.2020
Größe: 32 cm x 24 cm
Signatur: hinten

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