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Aquarell

Gut gelauntes Gewässer

Am 4. August 2020 wurde bei arte der zweite Teil von Igor Levit spielt Beethoven-Sonaten im Rahmen der Salzburger Festspiele ausgestrahlt. Meine Mal-Methode war hierbei genauso wie schon bei Wenn Verzweiflung zur Musik wird. Während der berühmte Pianist spielte, malte ich das, was ich dabei gerade empfand oder welche Bilder vor meinem innerem Auge aufstiegen, im engeren Sinne verwendete ich die Methode Malen nach Musik

Mit der Klaviersonate Nr. 24 Fis-Dur op. 78, die Ludwig van Beethoven Therese von Brunsvik (27.07.1775 – 23.09.1861) widmete, bildete den Auftakt an jenem Abend in Salzburg. 
Aufgeteilt ist die Sonate in zwei Sätzen, im Aquarell ist diese in der linken unteren Kugel dargestellt. Die Leichtigkeit der Musik habe ich in eine Art gelb-rote Blüte umgesetzt. Die einzelnen Blütenblätter sind voneinander abgegrenzt, da in der Sonate es immer wieder zu kurzen Pausen kommt, die wie eine Art Stopper wirken, so als könnte man kurz innehalten, bevor der nächste Teil kommt.
Komponiert hat Beethoven diese Sonate 1809. In welchem Verhältnis Beethoven und Therese von Brunsvik zueinander standen, ist bis heute unklar.

Die Sonate Nr. 4 Es-Dur op. 7 widmete Beethoven seiner Schülerin Babette von Keglevics (1778 – 18.04.1813). Die Sonate trägt den Titel Grande Sonate und das nicht ohne Grund. Sie besteht aus vier Sätzen, aber schon allein der erste Satz umfasst 362 Takte. Deshalb war Beethoven dazu gezwungen, diese Sonate in Teilen zu publizieren und nicht wie gewöhnlich in einer Sammlung.
Im Aquarell ist diese Sonate in der linken oberen Kugel dargestellt. Das Wasser schwappt in die Kugel, mitten hinein ins Lebendige, der zweite und dritte Satz stellt die gelb-orangene Fläche dar, die ins rote übergeht. Diese beiden Sätze wechseln des öfteren das Tempo, mal werden sie im Moll gespielt, mal in Dur.
Der vierte Satz ist ein Rondo, also eine Art Tanz, der seinen Ursprung in der Troubadourdichtung hat.
Durch die Spiegelung ganz links im Bild wirkt die Kugel fast so, als würde die Farbwelle mit ihrem Spiegel in Kommunikation treten, als würde sie mit ihr einen Tanz vollführen.

Danach spielte der renommierte Pianist die Sonate Nr. 9 E-Dur op. 14/1. In dieser Sonate scheint Beethoven sich auf seinen Lehrer Joseph Haydn (31.03.1732 – 31.05.1809) zu besinnen (lt. arte).
Während ich malte, konnte ich einen Blick in den Garten werfen und als ich mir die Sonate anhörte, fielen mir besonders die Schatten der Bäume auf der Wiese auf, die durch die Sonnenstrahlen durch das Blätterwerk verstärkt wurden. Im Aquarell handelt es sich um die Kugel in der Mitte. Die unterschiedlichen Grüntöne umkreisen einen helleren gelb-grünen Flecken, alles scheint in Bewegung zu sein, genauso wie die Musik, die scheinbar immer wieder mit einem tiefen Ton beginnt (dunkelgrün) um sich dann immer weiter in höhere Sphären hochzuschrauben. Dadurch entsteht eine unglaubliche Dichte, zugleich eine Leichtigkeit, der man gerne folgen möchte.
Zudem spiegelt sich dieser Fleck im rechten unteren Bild, korrespondiert mit den beiden Spiegelungen der beiden rechten Kugeln.

Nach dieser Sonate blieb Igor Levit dem chronologischen Aufbau von Beethoven treu, er spielte die Sonate Nr. 10 G-Dur op. 14/2.
Ganz bewusst informiere ich mich nicht im vorhinein über die einzelnen Sonaten sondern immer erst im Nachgang um möglichst wenig von Fakten beeinflusst zu werden. Mir geht es in erster Linie darum, dass zu malen, was ich höre und nicht, was Beethoven möglicherweise damit beabsichtigte.
Ludwig van Beethoven soll laut der arte-Mediathek zu seinem Freund Anton Schindler (13.06.1795 – 16.01.1864) über die Sonate gesagt haben, dass diese einen Dialog zwischen einem Mann und einer Frau oder einem Liebhaber und seiner Geliebten darstellen würde.
Rechts oben im Aquarell wächst eine Pflanze aus einer orientalisch anmutenden Vase, der Hintergrund ist gelb. Die Pflanze nimmt fast die gesamte Kugel ein, sie wächst zu allen Seiten, ein Trieb umschlingt die Stange der Vase. Insgesamt wirkt diese Kugel ruhig, fast meditativ, ganz so wie die Musik, die immer wieder bei einem Thema neu ansetzt und neu ausführt. Das Gelbe steht für die Leichtigkeit der Musik.

Die letzte Sonate an diesem Abend, es handelt sich um die Klaviersonate Nr. 26 Es-Dur op. 81 a, die den Titel Les Adieu trägt, thematisiert die Flucht von dem Erzherzog von Österreich. Erzherzog Rudolph (08.01.1788 – 24.07.1831) war ein Gönner Beethovens, musste die Stadt Wien jedoch verlassen, da die Truppen von Napoleon auf Österreich zu marschierten.
Im unteren Teil der rechten Kugel wirken die Brauntöne ruhig, fast unbeweglich, ähnlich wie kurz vor einem Gewitter, wenn es in der Natur fast schon unheimlich still ist. In der Luft hingegen ist Bewegung, die roten und orangenen Blätter wirbeln durcheinander, sind in Aufruhr. Erst wenn sie zu Boden fallen, verlieren sie ihre Dynamik.
Ohne das ich zuvor Kenntnisse über die Flucht des Erzherzogs hatte, hörte ich dennoch in der Musik die Sorge, den Sturm aber auch die Ruhe heraus.

Zum Abschluss des Abends spielte Igor Levit August Rosenbrunnen von dem Komponisten Malakoff Kowalski, der dieses Stück dem Pianisten widmete und an diesem Abend uraufgeführt wurde. Dieses Musikstück habe ich nicht mehr ins Aquarell aufgenommen.

Die fünf Sonaten schwimmen als Kugeln über Wasser. Damit wird der Leichtigkeit, die in allen fünf Stücken mitschwingt, Rechnung getragen, zugleich verbreiteten alle Klaviersonaten an diesem Abend gute Laune.

Das Aquarell gehört zur Werkgruppe Musik wie auch beispielsweise Elektra und das Band.

Aquarell, modern Art, Wasser, Ludwig van Beethoven, Malen nach Musik, Igor Levit, Salzburger Festspiele 2020, Seifenblasen, Blume, Wiese, abstrakt,Titel: Gut gelauntes Gewässer
Aquarell auf Papier
entstanden: 04.08.2020
Größe: 24 cm x 17 cm
Signatur: hinten


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