Aquarell, moderne Kunst, Frau, Nacht, Mond, Fische, Frosch, Eule, Großstadt, verschwommene Lichter
Aquarell

I have a Dream

Vor mehr als sieben Jahren fertigte Claudia Bröcher die Skizze „Der schlafende Mond“ an, doch zunächst ließ es die Künstlerin unbearbeitet liegen. Nun endlich ist sie dazu gekommen, aus der Skizze ein Werk zu kreieren und was für ein Werk. Aus dem schlafenden Mond wurde „I have a Dream“.

Haltlos

Dem goldenen Schnitt gemäß ist mittig eine durchsichtige Frucht, vielleicht ein Boot, Sprechblase, Aprikose, Mund, rosa, violett, Ruhe, ausruhenApfel, eine unreife Aprikose oder, oder, oder. In dieser Frucht sitzt eine Frau, ihr Kopf ist nach vorne gebeugt. Einerseits sieht die Frau sehr entspannt aus, ihr linker Arm liegt locker über ihrem Bauch, die Beine sind etwas angewinkelt, andererseits ragt jedoch die Spitze eines Astes in Richtung ihres Gesichts; würde sich die Frau auch nur ein klein wenig nach vorne beugen, könnte sie vom Ast aufgespiest werden. Eine weitere Spitze in der Nähe des Kopfes geht von dem pink-violetten Boot aus oder soll es eine Sprechblase sein?
     Durch den Fruchtstengel gibt es eine direkte Verbindung zu den Ästen, die von dem links unten gelb-orangenem Fisch ausgespeit wird, zugleich ist die Frucht in dem Geäst eingebettet. Trotz der möglichen Gefahr, immerhin befindet sich der Hauptteil der dicken Zweige im Wasser, scheint die Frucht ein sicherer Ort zu sein.
     Ich bleibe noch einen Moment bei den Ästen, nicht nur, dass ein Teil der Zweige in der Nähe des links oben sitzenden Mondes zu glühen scheinen, sondern auch, weil der typische Humor von Claudia Bröcher durchschimmert. violett, blau, Äste, NaturSchaut man genau hin, gehört zu den Ästen ein menschlicher Körper, auf seinem ausgestreckten Arm sitzt eine Eule. Der Körper bildet eine Art Übergang im Nachthimmel, während der Himmel um den Mond herum blau und türkis ist, so ist der rechte Teil des Himmels blau-violett.
     Links von der Frucht biegt ein Ast ab, der einen Bogen bildet, unter dem sich ein Frosch bequem gemacht hat. Dieser Ast spaltet sich in mehreren Ästen auf, die bis ins Wasser hineinragen, aber sind sie weiterhin Zweige oder sind es Wurzeln? Scheinbar tanzen sie im Wasser.
     Fünf Zweige scheinen den Mond festzuhalten, vor allem die beiden äußersten Äste. Zugleich gibt es für das gesamte Geäst keinen festen Halt, nirgendwo ist ein türkis, blau, Nachthimmel, ÄsteBlatt zu sehen, so als sei es tot, käme nur ein wenig Strömung auf, würde das ganze zu wandern beginnen; über eine Flut oder ähnliches möchte ich gar nicht nachdenken, um das Leben der Frau müsste man sich fürchten. Träumt sie deshalb möglicherweise von einem Boot, welches ihr mehr Sicherheit bietet?

Eigentlich wird der Mond dem weiblichen Prinzip zugeordnet, doch dieser Mond, der seine Augen geschlossen hält, weist männliche Züge auf. Er wirkt ruhig, er leuchtet klar in die Nacht hinein. Er nimmt großen Raum ein, seine Strahlen schimmern bis tief ins Wasser hinein und doch verschließt er die Augen vor dem Szenario, es ist ihm egal, was mit der Frau geschieht, selbst die direkte Berührung durch die fünf Zweige bemerkt er wohl nicht.

Irritation: Die Fische

Vom Frosch sieht man lediglich den Kopf und seine beiden vorderen Füße, als Schwimmgerät hat er ein Stück Holz. Anstatt das man seinen restlichen Körper im Wasser sieht, kann man es nur verschwommen im Wasserspiegel erkennen. Hingegen sind die beiden gelb-orangenen Fische und die gelb-grüne Muschel in voller Körpergröße zu sehen. Beide Fische irritieren. Links im Bild speit der größere Fisch das Geäst aus, dass ihm seine ganze Kraft kostet, die Schwanzflosse paddelt hin und her, angedeutet durch die Wasserspritzer, die beiden vorderen Flossen sind regungslos, die obere liegt auf dem Rücken, die untere ist gespreizt, so als würde er damit seinen Körper austarieren. Unklar bleibt, worauf die Künstlerin Bezug nimmt. Soll es sich um das alte geheime Symbol für den christlichen Gottes Sohn handeln oder als ein Symbol der Fruchtbarkeit oder soll es gar die symbolische Bedeutung von Fruchtbarkeit und Tod in sich vereinigen?

Ebenso irritiert rechts unten im Bild der kleine Fisch. Das Wasser wirkt plötzlich wie ein Tuch, auf dem der Fisch liegt und in eine völlig bunte Welt schaut. Das Bunte interpretiere ich als ein Riff, der aus der Sicht des Fisches erhalten bleiben soll? Diese Sichtweise ist denkbar, da Claudia Bröcher sich für den Umweltschutz stark macht.
     Zugleich wirkt die Öffnung wie ein Auge, dass Ensemble von Riff und einfallenden Sonnenstrahlen bilden eine Pupille, das Tuch und der darüber schwebende Ast bilden den äußeren Teil des Auges.

Rechts oben ist der Himmel bzw. der Hintergrund, wie schon erwähnt, überwiegend blau-violett. Die Gebäuden sowie die Lichter sind verschwommen. Hier wendet die Künstlerin eine Beobachtung aus der Fotografie an. Im Abend- oder Morgendunst wirken viele Fotos, vor allem aus der Ferne und / oder Städte verschwommen.

Insgesamt strahlt das Bild viel Ruhe aus, bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das meiste als merkwürdig, ja, vielleicht sogar als riskant. Vor allem stellen sich Fragen: Wer hat einen Traum? – Der Mond, die Frau, der Frosch oder die beiden Fische oder ist es gar das Publikum vom Aquarell, welches seine Träume in die Handlung der Protagonisten legt?
     Oder soll das Bild gar einen Gegensatz zwischen Paradies und Wirklichkeit darstellen?
     Das Aquarell bildet den Auftakt zum „Zyklus Veränderung“, doch dieser Hinweis stellt einem vor noch größeren Rätseln, wer oder was hat sich verändert oder wer soll sich verändern?

Obgleich mich dieses Bild sofort angesprochen hat, es ist schön, ja, sogar magisch, so schrecke ich aber auch davor zurück und doch kann ich nicht anders, als immer wieder darauf zu schauen und ich entdecke immer wieder neue Zusammenhänge, die mich faszinieren und mich vor neuen Fragens stellen. Genau das macht Kunst aus.

Das Aquarell gehört zur Werkgruppe Religion wie beispielsweise auch Himmelstür.

Angaben zum Bild:

Titel: I have a Dream
Aquarell
entstanden: Dezember 2019
Größe: 48 cm x 36 cm
Signatur: hinten

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