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Aquarell

Wenn Verzweiflung zur Musik wird

Als ich gestern las, dass heute bei arte von den Salzburger Festspielen Sonaten von Ludwig van Beethoven übertragen wird, war ich zunächst not amused, nicht wegen Beethoven, im Gegenteil, seine Musik mag ich sehr, aber eine Oper künstlerisch zu übertragen wie in den vergangenen beiden Tagen (vgl. Elektra, Così fan tutte – Jedermann) oder reine Musikwerke sind zweierlei Paar Schuh, doch nach und nach konnte ich mit dem Gedanken anfreunden.

Igor Levit spielte als erstes die Sonate für Klavier Nr. 1 f-Moll op. 2.1., welche Beethoven seinem Lehrer Joseph Haydn (31.03.1732 – 31.05.1809) widmete, im Aquarell ist es im linken Torbogen dargestellt. Stellenweise hat das Stück etwas Schweres (violett), dann wieder etwas Leichtes (gelb), zwischendurch ist Tempo drin (Wasserlauf, unten rechts). Danach trug der begnadete Pianist die Sonate Nr. 12 As-Dur op. 26 vor. Allgemein gilt diese Sonate als „Trauermarsch“, diesen Titel gab Beethoven selber in Umlauf, da er seit ungefähr zwei Jahren taub war – das Stück hatte er 1801 fertig gestellt – und deshalb jede Feierlichkeit und vermutlich auch nahezu jeden Menschen gemieden. All das las ich aber erst nach dem Konzert – zum Glück – für mich hat dieses Stück durchaus etwas Fröhliches, dargestellt im untersten rechten Torbogen. Nachdem ich die ersten Takte gehört habe, stieg in mir das Bild von Strand und Meer auf, doch das Meer ist im Gegensatz zum Strand eher dunkel, es sind zwar keine tosenden Wellen, aber eine gewisse Schwere liegt quasi in der Luft.
Man könnte meinen, dass nach dieser Sonate jede weitere wie ein Bruch sich anhören könnte, doch spätestens an dieser Stelle merkte man, dass Kenner am Werk waren, als sie das Programm zusammen stellten. Obgleich die Sonate Nr. 25 G-Dur op. 79 der Liebe oder besser gesagt der Sehnsucht gewidmet ist, und somit die beiden Themen kaum unterschiedlicher sein könnten, so klang es, als müsste genau an dieser Stelle nun diese Sonate gespielt werden. Im Aquarell ist es der mittlere rechte Torbogen. Das Wasser fließt schnell den Hang hinab, ein Symbol für die Schnelligkeit in der Musik, zugleich grenzt an dem Wasserlauf eine Wiese mit Blumen. Die blühende Sommerwiese stellt die Leichtigkeit in der Musik dar, das Schöne. Die Blumen bleiben im Bild unkonkret und ohne, dass ich es vorher wusste, dass Beethoven sich nach einer partnerschaftlichen Beziehung sehnte und dies in diese Sonate hineinlegte, spiegeln die Blumen genau das wider.
Die letzte Sonate an diesem Abend von Beethoven stellte für mich eine Herausforderung dar, es handelt sich um die Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53, auch bekannt als „Waldstein-Sonate“. Dieses Musikstück stellte mich deshalb vor einer Herausforderung, da ich es zuvor schon zig-Mal gehört hatte, auch einige Informationen im Vorfeld dazu hatte, dass heißt, all das musste ich erst mal ausblenden. Hierfür schloss ich meine Augen, um nur dem Klang zuzuhören und nachzufühlen, welche Bilder in mir aufsteigen. Nach und nach sah ich vor meinem inneren Auge tanzende Wolken, die ich deshalb im obersten rechten Torbogen etwas Wellenartig gemalt habe.
Zum Abschluss des Abends, sozusagen als Zugabe, spielte Igor Levit ein Stück vor, welches er von einem Freund zu Beginn der Covid-19-Pandemie zugemailt bekommen hatte. Dieser Freund hat dieses Stück für ihn komponiert, darüber war der Pianist natürlich hoch erfreut.

Igor Levit wurde 1987 in der Sowjetunion geboren, seine erste Lehrerin war seine Mutter. Seit 1995 lebt er in Deutschland, seit vergangenem Jahr ist er Professor für Klavier in Hannover. Letztes Jahr wurde er mit dem 5. Internationalen Beethovenpreis ausgezeichnet, dieses Jahr erhielt er im Januar die „Gabe der Erinnerung“ des Internationalen Ausschwitz Komitees „Statue B“. (vgl.  hierzu die Homepage von Igor Levit). 

Eingebettet sind alle vier Torbögen in ein Mauerwerk, das aus Sandsteinen besteht. Sandstein ist ein beliebtes Baumaterial, früher wurde es auch häufig für Skulpturen und ähnliches eingesetzt. Sowie die vier vorgetragenen Sonaten nur einen kleinen Teil von Beethovens Œuvre darstellen, so stellt auch die Mauer nur einen Ausschnitt dar, es wird nicht ersichtlich, zu was das Mauerstück gehört, ob es zu einer Burg, zu einem Schloss, Opernhaus oder, oder, oder gehört. Die Steine weisen eine gewisse Regelmäßigkeit auf, somit wirkt es insgesamt geordnet, zugleich wird es durch die Torbögen unterbrochen, man kann quasi hinter die Mauer schauen. Der Blick hinter die Mauer ist ein beliebtes Motiv in der Literatur, da es für verschiedene Möglichkeiten eingesetzt werden kann, wie beispielsweise als Blick in eine Seele. Hierbei geht es natürlich in erster Linie um den Blick auf die Musik.

Das Aquarell gehört zur Werkgruppe Musik wie auch beispielsweise Così fan tutte – Jedermann.

Salzburger Festspiele, Ludwig van Beethoven, Meer, Mauer, Sandstein, Torbogen, Himmel, Blumenwiese, Strand, Aquarell, modern Art,Titel: Wenn Verzweiflung zur Musik wird
Aquarell auf Papier
entstanden: 03.08.2020
Größe: 17 cm x 24 cm
Signatur: hinten


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