Aquarell, Architektur, Turm, Nebel, Schale, Modern Art, Hochhaus, Pyramide, Superbauten, gelb, blau

Sichtweise einer Fledermaus

Als ich das Aquarell zum ersten Mal sah, habe ich herzhaft gelacht, nichts scheint stimmig, dafür ästhetisch schön.

Die drei Gebäuden im Vordergrund deuten an, worum es in diesem Werk gehen soll, um Architektur und ihre Auswüchse. Während die beiden linken Türme noch einigermaßen stimmig sind, bis auf die Tatsache, dass man auf eine Spitze keine Kugel mehr setzen kann (mittlerer Turm), schert das rechte Gebäude völlig aus. Mehrere Pyramiden sind übereinander gestapelt, gekrönt wird es mit einer Schale, die auf der höchsten Spitze sitzt, aus der Schale wachsen drei Pflanzen nach unten. Dieses Gebäude kann mit heutigen Materialien nicht gebaut werden, die Statik würde nicht stand halten und doch wird hieran etwas deutlich: Nicht nur, dass der Mensch dazu neigt, immer höher zu bauen, sondern auch immer kunstvoller, bis irgendwann nichts mehr geht. Zugleich stellt es auch eine Kritik an der Städteplanung dar. Um der Sommerhitze etwas entgegen zu setzen, begrünt man die Häuser, wobei klar ist, dass sich diese Häuser nur gutbetuchte leisten können, für die große Mehrheit ist das Wohnungsproblem damit in keinster Weise gelöst. Wie sehr das die Künstlerin, pardon, die Fledermaus stört, wird auch an dem goldgelben Himmel (Symbol für Gold = Geld) deutlich, der diese Kritik unterstützt.

Das gesamte Aquarell ist durchzogen mit Nebelschwaden, Dunst vernebelt die Sicht und auch die drei vordergründigen Gebäuden bleiben davon nicht verschont. Eine mögliche Lesart wäre, dass der Mensch sich vom Imposanten, Monumentalen und Schönem blenden lässt, ohne sich die Realität genauer anzuschauen. Die Realität wird im oberen Teil des Bildes, im violetten Band angedeutet, ein paar Lichter schimmern durch den Nebel.
Am witzigsten ist jedoch die Fledermaus, die an einem hellen Nebelband hängt, auf die Komposition schaut. Sie verzieht keine Mimik, man weiß nicht, ob sie über das, was sie sieht, amüsiert, traurig oder gleichgültig ist.

Ursprünglich gab Sabeth Faber für das Bild sich den Arbeitstitel Das wahnsinnige Triumvirat, und auch dieser Titel würde die Sache sehr genau treffen. Diesen Titel verwarf sie dann, nachdem sie, so erzählte sie mir am Telefon, eine Fledermaus in ihrem Garten beobachten konnte und plötzlich war ihr klar, in ihr Bild muss eine Fledermaus.

Für Autofahrer*innen stellt der Nebel einen Schrecken dar, für Fotografen hingegen ist es meist ein Glück, da der Nebel faszinierende Bilder hervorrufen kann. Und auch die Künstlerin kann sich offenbar dieser Faszination nicht entziehen, wie Der Mann im Nebel und der Krebsnebel im Aquarell Literatur zeigt.

Neben den humorvollen Aspekten, die einem zuweilen das Lachen im Halse stecken lässt, wie die Kugel des mittleren Gebäudes, die scheinbar über die Kuppe des violetten Bandes rollt, fasziniert mich auch die Weite, man hat das Gefühl, weit in die Landschaft zu blicken, das Auge sucht den Horizont ab. Ich interpretiere es als Aufforderung, seinen Horizont zu erweitern und nicht vor dem stehen zu bleiben, was direkt vor einem liegt.

Aquarell, Architektur, Turm, Nebel, Schale, Modern Art, Hochhaus, Pyramide, Superbauten, gelb, blauTitel: Sichtweise einer Fledermaus
Aquarell auf Papier
fertig gestellt: 18.08.2020
Größe: 40 cm x 30 cm
Signatur: hinten

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