Es ist absolut nicht ungewöhnlich, dass Maler*innen in ihrer Schaffensphase den Stil ändern, doch nur wenige sind scheinbar so radikal wie der amerikanische Landschaftsmaler und Kunsttheoretiker Arthur Wesley Dow.

Arthur Wesley Dow (1890), Gemeinfrei

Zunächst interessierte er sich für seine Geburtsstadt Ipswich, insbesondere die Kolonialzeit hatte es ihm angetan. Er schuf mehrere Zeichnungen darüber an, tat sich dabei mit Augustine Caldwell zusammen, und nannten die Serie „Antiquarian Papers“. In seiner Pariser Zeit (1884 – 1889) wandte er sich der Landschaftsmalerei zu, ging dafür häufig nach Draußen, sodass er die Landschaft unmittelbar erleben konnte und diese dann auf seine Leinwand auftrug. Doch dann lernte er die chinesische und die japanische Kunst kennen. Desto mehr er sich damit befasste, desto mehr vertrat er die Ansicht, dass der tradierte Realismus der falsche Weg sei, denn man solle nicht die Natur imitieren, sondern deren Ideen und Stimmungen zum Ausdruck bringen. Eigentlich war er damit gar nicht soweit von seinen europäischen Kolleg*innen entfernt, denn auch hier galt es zunehmend als avantgardistisch, Gefühle darzustellen. Der Unterschied liegt eher im Malstil, denn er wollte sich dem asiatischem Stil nähern.

Es ist nicht ganz klar, wann Arthur Wesley Dow das Bild „Marsh creek“ (siehe Titelbild) schuf. Möglicherweise war es im Jahr 1896, zumindest könnte man dies aus den Ziffern und Buchstaben am unteren linken Rand daraus lesen.
Deutlich wird in diesem Bild sein Minimalismus. Mit wenigen Strichen und Farben schuf er eine Landschaft mit einem Gewässer, welches links und rechts braune und dunkelgrünen Felder aufweist, der Horizont zeigt neben dem halben Mond, Bäume und Gebüsch in blauer Farbe. Mithilfe des Mondes wird den Betrachter*innen die Tageszeit angegeben, es ist Abend, die Dämmerung ist schon etwas fortgeschritten. 

Nabbys Point, Gemeinfrei

„Nabbys Point“ wurde von ihm offenbar im Stil der japanischen Malkunst erstellt, erkennbar an den schwarzen Strichen. Zudem ging offenbar diesem Bild eine Zeichnung voraus, aus der man diesen Schluss noch viel besser ziehen kann.
Ein See oder ähnliches prägt diese Landschaft, im Vordergrund ist ein Baum mit roten Blättern, der Horizont weist, ähnlich wie in „Marsh creek“, violette und blaue Pflanzen auf, der Himmel ist in beige gehalten.

Vergleicht man jedoch seine ersten Bilder mit seinen späteren, so gibt es keine so großen Unterschiede, wie man meinen könnte. Die chinesische und japanische Malweise zeichnet sich dadurch aus, mit Farbe sehr zurückhaltend zu sein, stattdessen werden Striche gerne mit schwarzer Tusche ausgeführt, zugleich gibt es häufig Bereiche im Bild, die sehr detailliert sind. Für die Wiedergabe einer Stimmung wird meistens die Natur eingesetzt, die sie nur wenig tradiert haben. Betrachtet man hingegen die Bilder von dem amerikanischen Künstler, so fällt auf, dass er Detailgenauigkeit gemieden hat, Farben sind bei ihm sehr präsent. Von einer Übernahme des asiatischen Stils kann also nur sehr bedingt eine Rede sein.

Neben seiner Malerei lehrte er über 30 Jahre an diversen Kunstschulen.

Geboren wurde Arthur Wesley Dow vor 165 Jahren am 6. April 1857 in Ipswich.

 

Morgen in Anno dazumal: Der impressionistische Maler Christian Adam Landenberger


Quelle:
Vgl. Wikipedia (): Arthur Wesley Dow, zuletzt besucht am 04.04.2022


 

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