Limburger Dom, Orgel

Liebe Cäcilia,

wir haben nun länger nichts mehr voneinander gehört. In der Zwischenzeit habe ich unter anderem eine Tour nach Limburg unternommen, konnte somit mein Deutschlandticket direkt am 1. Mai einsetzen. Wie Du weißt, war ich vor etwa elf Jahren das letzte Mal vor Ort. Damals hatte ich über mehrere Wochen die Gelegenheit die Stadt kennenzulernen.

Am Feiertag steuerte ich als erstes den Dom an. Von außen sah alles so aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Bevor ich den Dom betrat, ging ich unterhalb des Friedhofs entlang und suchte nach den Reihern, die es damals in Massen gab, doch dieses Mal suchte ich vergebens, ich konnte keinen einzigen entdecken. Danach ging ich in den Dom, setzte mich in eine Kirchenbank, ließ meinen Blick schweifen. Ich suchte nach den künstlerischen Werken, die mich damals in den Bann gezogen haben und zwar in derart, dass ich darüber Skizzen anlegte. Ich fand zwar all das wieder, offenbar war jedoch meine Faszination dafür verflogen. Es ist erstaunlich wie schnell sich der Geschmack und damit einhergehend der Blickwinkel bei der ein und derselben Sache verändert. Nachdem mir bewusst wurde, dass ich das, was ich damals im Dom für mich entdeckte, auf mich nahezu keinen Reiz ausübte, stand ich auf und ging ganz langsam durch den Dom, schaute mich dabei um, ließ meinen Blick schon mal auf das eine oder andere ruhen, spürte nach, wie es mir dabei geht. An diesem Punkt wurde für mich ein weiteres mal deutlich, wie nachhaltig meine Teilnahme an den diesjährigen Alltagsexerzitien während der Fastenzeit für mich war, dass unter dem Thema „Mein Pilgerweg“ stand. Es ist also kein Zufall, dass mich ausgerechnet eines der Kirchenfenster, welches sich aus meiner Sicht mit dieser Thematik befasst, so faszinierte. Soweit ich es recherchieren konnte, scheinen die drei Kirchenfenster im Altarbereich von dem Glasmaler Hubert Spierling (06.07.1925 – 28.04.2018) zu sein. Farben und Bildaufbau übten auf mich eine hohe Faszination aus und ich fand es sehr bedauerlich, dass ich nicht zu verschiedenen Tageszeiten mir diese Glasmalerei anschauen kann, denn ich bin davon überzeugt, dass je nach Lichteinfall sich die Wirkung verändert. Seitlich links entdeckte ich ein weiteres Fenster. Wenn ich mich nicht irre, stammt dieses von Johannes Schreiter (08.03.1930 – ). Vor diesem Fenster verweilte ich und desto länger ich davorstand, desto schwerer fiel es mir, mich davon zu lösen. Dieses Fenster wurde für diese Karte zu einer der Grundlagen.

Pilgern – hat für mich nicht zwangsläufig etwas mit einer Ortsveränderung zu tun, obgleich – wie Du weißt – ich es gerne irgendwann mal tun möchte, sondern insbesondere mit der inneren Haltung. Der Geigenbauer Martin Schleske befasst sich in seinem Buch „Der Klang: Vom unerhörten Sinn des Lebens“ ebenfalls mit der Pilgerschaft, definiert gar, was für ihn ein Pilger ist, nämlich ein Mensch, dem seine Berufung bewusst ist und damit auch seine Grenzen kennt (vgl. S. 18). Ich denke, eine Berufung setzt sich aus zig verschiedenen Facetten zusammen, bei mir spielt die Kunst dabei eine Rolle, mal als Inspiration, mal hilft sie mir dabei, manche Sachverhalte besser zu erkennen und zu verstehen, mal unterstützt sie mich beim Zugang zu meinem Unterbewusstsein, dass mir unter anderem offenbart, wie es mir tatsächlich geht. Was ich immer wieder feststelle, ist, dass die Arbeit an den Karten mich glücklich macht, mich zufrieden stellt und es macht mich ganz hippelig, wenn ich an einem Tag nicht kreativ sein kann, am zweiten Tag ist es für mich kaum noch auszuhalten und ich muss einen Stift in die Hand nehmen und wenigstens schon mal Vorüberlegungen kreieren. Dies bezüglich glaube ich, habe ich eine Seelenverwandte gefunden, nämlich die finnische Designerin Maija Sofia Isola (15.03.1927 – 03.03.2001), die zwar meines Wissens nichts mit dem Christentum am Hut hatte, aber in ihren Kreationen für Designerstoffe eine tiefe Befriedigung fand. Zwar hat sie für die Serie „Albatrossi“ eine völlig andere Inspirationsquelle als wie ich gehabt, nämlich – wenn ich mich nicht irre – das Wasser, dennoch ähneln sich die Ergebnisse des Glasmalers Hubert Spierling, die Stoffe von Maija Sofia Isola und die Designerkarte.

Was gibt es bei Dir Neues?

Sei ganz lieb gegrüßt
Sabeth

Angaben zum Buch:
Martin Schleske: Der Klang
Vom unerhörten Sinn des Lebens
Mit Fotos von Donata Wenders
Hardcover mit Schutzumschlag
352 Seiten
14,5 x 21,5 cm
Verlag: Kösel
ISBN: 978-3-466-36883-9
Erschienen: 04.10.2010
Preis: 24,00 € (D), 24,70 € (A)

Siehe auch:
> Auf der Website von () Martin Schleske
> Hier kann () man das Buch bestellen


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