Begleiter: 24. Dezember




„Maria Verkündigung“ von Oswald Onghers

Maria Verkündigung gemalt von Oswald Onghers, um 1703 (Gemeinfrei)

Obgleich der Maler Oswald Onghers in Belgien geboren wurde, fand sein künstlerisches Schaffen überwiegend in Deutschland statt. Sein Handwerk lernte er bei dem Maler Jean-Baptiste le Saive der Jüngere (1604 – 1641), der aus derselben Provinz stammte wie er, nämlich Mechelen. Von ihm lernte er insbesondere das Stillleben. Tatsächlich war aber seine Malerei zunächst von Peter Paul Rubens (28.06.1577 – 30.05.1640) beeinflusst, später auch von Floris Claesz. van Dyck (um 1575 – um 1651).

Um 1703 malte Oswald Onghers das barocke Ölbild „Maria Verkündigung“. Links im Bild sieht man die knieende Maria, gekleidet in einem symbolhaften weißen Kleid mit einem blauen Überwurf. Rechts neben ihr ist der Engel auf einer Wolke, der ihr die Nachricht überbringt, dass sie bald einen Sohn zur Welt bringen wird. Sein Kleid ist aus Gold, über seine Schulter flattert locker ein rotes dünnes Tuch. In seiner linken Hand hält er eine weiße Lilie mit drei Blüten. Diese Blume gilt im Christentum als Symbol für die Mutter Gottes. Seine wuchtigen Flügel sind ebenfalls weiß.
Im Hintergrund steht zwischen den beiden ein Korb mit einem Messgewand, links daneben ist ein Notenständer, rechts daneben ist ein Stuhl mit roter Sitzfläche.
Über den beiden schweben insgesamt elf Putten im Lichtstrahl, im Zentrum der Putten fliegt eine weiße Taube. Der Lichtstrahl wird nach unten hin zu einem Dreieck. Die Taube symbolisiert den Heiligen Geist, das Dreieck ist ein Symbol für Gott (siehe auch: Gottes Auge).
Der blau-weiß geflieste Boden gibt einen geographischen Anhaltspunkt, nämlich Bayern, der schmale dunkle hohe Raum deutet an, dass es sich möglicherweise um eine Sakristei handelt, das Messgewand im Korb unterstreicht diese Vermutung.
Natürlich war dem belgischen Maler bewusst, dass die Verkündigung niemals in Bayern stattgefunden hat, sondern in Israel / Palästina, aber wie im ausgehenden 17., Anfang des 18. Jahrhunderts üblich, ging es auch darum, den Stiftern eines Gemäldes eine Hommage zu schenken.

Oswald Onghers starb am 24. Dezember 1706 in Würzburg.

> Infos zur Grußkarte: Engel mit weißer Weihnachtskugel