Kalenderblatt: 30. August




Evelyn De Morgan

Evelyn de Morgan, Gemeinfrei

Die englische Malerin Evelyn De Morgan hatte das Glück im 19. Jahrhundert eine Ausbildung zur Künstlerin absolvieren zu dürfen. Ihren Onkel, ebenfalls Maler, John Roddam Spencer Stanhope (20.01.1829 – 02.08.1908) besuchte sie häufig in Italien, dort entdeckte sie auch die Liebe zur Renaissance.
Sie war erst 15 Jahre alt, als sie die erste Ausbildung zur Malerin beginnen durfte, drei Jahre später besucht sie die Kunstschule Slade School of Fine Art (gegründet um 1870) von dem Kunstsammler Felix Joseph Slade (06.08.1788 – 29.03.1868) und sie war eine der ersten Schüler*innen.
Ihre Besuche in Italien und die Liebe zur Renaissance beeinflussten ihren Malstil, sie war zwar kein Mitglied aber sie gehörte zum Kreis der präraffaelitischen Bruderschaft, eine britische Künstlergruppe. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich thematisch vor allem mit der griechischen Mythologie befasst.

Boreas and Oreithyia, gemalt von Evelyn de Morgan (1896), Gemeinfrei

In dem Ölgemälde „Boreas and Oreithyia“ (1896) wirken die beiden Personen mehr wie ein Liebespaar und nur, wer die mythologische Erzählung von der Entführung der Oreithyia durch den Nordwind Boreas kennt, könnte versucht sein, das Gemälde auch in diese Richtung zu interpretieren. Im 19. Jahrhundert war es der Bildungsschicht geläufig; zuweilen kann Unkenntnis auch hilfreich sein.
Inspiriert von der Renaissance und von Sandro Botticelli (01.03.1445 – 17.05.1510) zeigt das Bild eine hohe Genauigkeit, man könnte auch von detailverliebt sprechen. Besonders deutlich wird es an den beiden Figuren. Der Körper von Boreas ist athletisch, sein Gesicht hingegen ist gezeichnet von Anstrengungen. Sein dunkles Haar wird eins mit seinen beiden dunklen Flügeln, aber er trägt nicht nur auf seinem Rücken Flügeln sondern auch, nur deutlich kleiner, an seinen beiden Fersen. Die dunkle, fast schwarze Farbe, deutet an, dass er vermeintlich nichts Gutes im Schilde führt; dem widerspricht jedoch seine Armhaltung, denn er trägt Oreithyia zärtlich, verstärkt wird dieser Eindruck durch die Blicke der beiden, sie sind einander zugewandt. Oreithyia trägt im Gegensatz zum Nordwind blondes Haar, ihr Körper ist fast weiß. Sie wirkt bei der Entführung sehr entspannt.
Zwischen den beiden großen Rückenflügeln wölbt sich ein blaues langes Tuch vor allem auf der rechten Seite, es vereinigt sich auf Genitalhöhe mit dem weißem Tuch. Das weiße Tuch schlingt sich durch die beiden großen Flügel, bildet die Form eines Ei’s. Diese beiden Figuren sind sichtlich von Zephyr und seine Gefährtin aus dem Gemälde „Die Geburt von Venus“ von Sandro Botticelli inspiriert.
Gemeinsam bilden die beiden Tücher, abstrakt betrachtet, die Form einer Gebärmutter. Dies ist wiederum typisch für den italienischen Künstler Michelangelo Buonarroti (06.03.1475 – 18.02.1564), man braucht nur einen Blick in die sixtinische Kapelle zu werfen.
Der Himmel mit seinen Wolken nimmt im Hintergrund ungefähr 2/3 des Bildes ein, hingegen muss sich die Berglandschaft und das Meer sich das letzte Drittel teilen, wobei die Berge den deutlich größeren Anteil haben.
An diesem Gemälde wird deutlich, dass Evelyn De Morgan zwar einerseits die Renaissance nachahmt, andererseits überrascht sie ihr Publikum, da sie nicht das zeigt, was die Menschen erwarten, es ist gegen den Strich gebürstet.

Evelyn De Morgan wurde am 30. August 1855 in London geboren.

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Quellen:

Vgl. Wikipedia (): Evelyn De Morgan, zuletzt besucht am 31.08.2021 

Vgl. Ölbild.de (): Evelyn De Morgan – Bilder und Gemälde, zuletzt besucht am 31.08.2021 

Vgl. Meisterdrucke (): Boreas und Oreithyia, 1896; zuletzt besucht am 31.08.2021

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