31. Juli 2022 Von John Smith Aus

Kalenderblatt: 31. Juli




Elfriede Lohse-Wächtler

Elfriede Lohse-Wächtler, Selbstportrait, (um 1930), Gemeinfrei

Mit 16 Jahren ging Elfriede Lohse-Wächtler an die Kunstgewerbeschule in Dresden um sich zunächst der Mode zuzuwenden, jedoch schon ein Jahr später besuchte sie die Fachklasse für Angewandte Grafik. Zeitgleich besuchte sie die Kunstakademie in Dresden und belegte dort Mal- und Zeichenkurse. Nach ihrem Studium wurde sie in die Dresdner Sezession Gruppe 1919 aufgenommen, freundete sich in dieser Künstlergruppe mit Otto Dix (02.12.1891 – 25.07.1969), Otto Griebel (31.03.1895 – 07.03.1972) und Conrad Felixmüller (21.05.1897 – 24.03.1977). an. Danach tingelte sie durch das Land, schloss sich 1926 dem Bund Hamburgischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen an, trat 1928 der Hamburgischen Künstlerschaft bei und beteiligte sich an Ausstellungen von Künstlern mit der Ausrichtung Neue Sachlichkeit.

Blick über dem Hafen, gemalt von Elfriede Lohse-Wächtler (1929), Gemeinfrei

Während ihres Aufenthaltes in Hamburg entstanden einige Werke, unter anderem das Aquarell „Blick über dem Hafen“ (1929). Das Bild hat ein Format von 51cm Höhe und ist 72,8cm breit.
Das Gelände des Hafens ist tendenziell düster gehalten, im Hintergrund raucht ein Schlot, auf dem Wasser sind nur wenige Schiffe, im Vordergrund sind die Mehrfamilienhäuser in rot, braun und grau gehalten, die Bäume sind ohne Laub, deren dürren Äste wirken wie verlängerte Arme von Menschen, vor allem gilt dies für den Baum, der neben dem zerstörten Lattenzaun steht, seine dünnen Äste wirken wie lange Fingernägel, die nach dem Haus zu greifen versuchen. Vor den Häusern liegt Schnee, aber wie so oft in Großstädten in jener Zeit ist der Schnee nicht weiß sondern gelblich und am Rand gar dunkelgrau bis schwarz.
Man kann dieses Bild durchaus als eine Anklage verstehen. Die Menschen, die hier leben, sind von Armut geprägt, die Häuser haben so gut wie keine Fenster, alles ist beengt, es gibt nichts Schönes, Ästhetisches, welches den Wohnbezirk lebenswert machen würde.

Im gleichen Jahr, in dem dieses Aquarell entstand, begann für die deutsche Künstlerin der Leidensweg, zuerst bekam sie einen Nervenzusammenbruch, wurde in eine Klinik eingewiesen. Danach erholte sie sich zwar kurzfristig, doch der ständige Geldmangel und die schwierige Partnerschaft zu ihrem Ehemann Kurt Lohse setzten ihr zu. 1931 zog sie wieder zu ihren Eltern, im darauffolgendem Jahr wurde sie ein weiteres Mal in eine Klinik eingewiesen, sie bekam die Diagnose „Schizophrenie“. Drei Jahre später wurde sie wegen „unheilbarer Geisteskrankheitentmündigt. Konnte sie bis dahin weiterhin kreativ sein, so war das mit diesem Urteil für sie nicht mehr möglich. Aber es kam noch schlimmer. Die Nationalsozialisten deportierten sie nach Pirna-Sonnenstein, dort brachte man sie am 31. Juli 1940 um, vermutlich wurde sie vergast. Sie wurde gerade mal 40 Jahre alt, hinterließ zahlreiche Zeichnungen und andere Werke.

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Quelle:
Vgl. Wikipedia (): Elfriede Lohse-Wächtler, zuletzt besucht am 21.10.2021


 

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