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Kunstszene: 19. Mai




1518

Assunta und S. Maria Gloriosa die Frari

Mariä Himmelfahrt (S. Maria Gloriosa die Frari), gemalt von Tizian, Gemeinfrei

Wer glaubt, dass der Maler Tizian (um 1488 – 27.08.1576) zum alten Eisen gehört, täuscht sich gewaltig, denn mit dem Ölgemälde „Mariä Himmelfahrt“ (S. Maria Gloriosa die Frari) hat er seine Zeitgenossen überrascht.

Das Ölgemälde ist 3,60 m breit und 6,90 m hoch. Es war eine Auftragsarbeit, die der Prior von der Frarikirche, Frau Germano für die Erstellung des Hochaltars wünschte. Tizian arbeitete an dem Werk von 1516 bis 1518.
Gegliedert ist das Gemälde in drei Bereiche, unten sind die Apostel, darüber ist die Mutter Gottes auf einer Wolke umringt von Engeln, über ihr schwebt Gott. Durch die Bewegungshaltung und durch die Blicke, die allesamt nach oben gerichtet sind, bis auf Gott, der nach unten schaut, entsteht innerhalb des Bildes eine Dynamik.
Auffällig ist auch die Farbgebung Rot, zwei Apostel, vermutlich wird es sich um Johannes und Petrus handeln tragen ein rotes Kleidungsstück, Maria trägt ein rotes Kleid und Gott trägt einen roten Umhang. Diese vier Figuren lassen sich leicht durch ein Dreieck ergänzen, dass einerseits die Dreieinigkeit Gottes symbolisiert, aber auch für Wasser, Erde und Himmel steht.
Maria ist umringt von insgesamt 24 Putten. Diese Idee ist nicht ganz neu, hatte sie doch auch Raffael (28.03.1483 – 06.04.1520) in der „Sixtinischen Madonna“ (1512/1513) ähnliches als Hintergrund gewählt. Diese Anzahl ist von Tizian nicht zufällig gewählt, denn es handelt sich hierbei um eine vollkommene Zahl, da es sich um eine Zusammenführung der zwölf Stämme Israels und der zwölf Apostel handelt, somit wird das Alte und Neue Testament in Gleichklang gebracht. Ergänzt wird es durch den hellen Hintergrund (Maria), welches einen Ring (orange) bildet und ebenfalls für die Vollkommenheit steht.
Das Zusammenspiel zwischen den drei Ebenen war für die damalige Zeit ungewöhnlich, mindestens genauso ungewöhnlich ist die Position der Mutter Gottes, denn sie wurde normalerweise in die Bildmitte gesetzt, doch in diesem Gemälde befindet sie sich oberhalb der Bildmitte, sie ist näher bei Gott im Himmel als auf der Erde.
Besonders bedeutsam ist für mich der Rahmen, denn dieser wurde nicht nachträglich auf das Bild gesetzt sondern war von vornherein Bestandteil dieses Gemäldes.

Am 19. Mai 1518 war es dann endlich soweit, das große Monumentalwerk wurde in der Santa Maria Gloriosa dei Frari (Venedig) für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

> Infos zur exklusiven Faltkarte: Gesang in der Nacht


Quelle:

Vgl. Wilhelm Schlink: Tizian, Verlag C.H. Beck, München – 2008, S. 31 ff.

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