27. September 2020 Von Sabeth Faber Aus

Der Stachel

Am Nachmittag ging ich raus, leichter Nieselregen konnte mich von meinem Vorhaben nicht abbringen. Eigentlich suchte ich nach einem schönen Herbstmotiv, am liebsten bunte Bäume. Da aber schon die Sonne nicht herausschauen wollte und sich lieber hinter Wolken mercedessternartigversteckte, war dieses Unterfangen von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Dennoch machte ich meine Runde, man weiß ja nie. Und dann entdeckte ich tatsächlich einen Strauch mit roten und grünen Blättern und der trug sogar Früchte. Verlockend war dieses Motiv, doch dann schaute ich nur ein paar Zentimeter weiter und erschrak: Der Strauch ist voll mit langen, spitzen, mercedes-stern-artigen Stacheln.
     Zuerst fiel mir das Adventslied „Als Maria durch ein Dornwald ging“ ein, später, zu Hause dachte ich dann, wie oft man etwas Hübschem begegnet, bei genauerer Betrachtung es sich dann aber …
     Aber mache ich es mir damit nicht zu einfach? Den Stachel bei anderen zu finden ist ein Kinderspiel, aber welche Stacheln trage ich, wann fahre ich diese aus oder anders gefragt: Wann enttäusche ich meine Mitmenschen? Andererseits muss man Grenzen ziehen, man kann sich nicht immer alles bieten lassen, zum eigenen Schutz muss man seine Stacheln ausfahren. Es kommt wohl, wie so häufig im Leben, auf die richtige Balance an.


Diese Bilder unterliegen der Lizenz CC BY-ND 3.0 DE. Informationen zu der Lizenz findet man hier.


 

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