Malerei, Kunst, London, Claudia von Holten, Der allerschönste Platz, The most beautiful place, Modern Art
Literatur

Perspektivwechsel

Ursprünglich war das Aquarell für das zweisprachige Bilderbuch „Der allerschönste Platz“ von Claudia von Holten (publiziert am 7. November 2014 im Amiguitos Verlag) vorgesehen, doch dann merkte ich, dass es auch zu „Maulwurfstadt“ von Torben Kuhlmann passt.

Zudem wollte ich wissen, wie ein Bild wirkt, wenn man Teile davon aus verschiedenen Perspektiven malt. 

Der allerschönste Platz“ von Claudia von Holten

Englische Mitsommernacht

Jede Stadt, jeder Ort hat einen oder mehrere besondere Plätze. Die einen bevorzugen sonnige Plätze, andere das Wasser. Man kann sich darüber streiten, welcher davon „Der allerschönste Platz“ ist, wie es die wilden Tiere von London im Bilderbuch von Annika und Claudia von Holten tun.

In der kürzesten Nacht des Jahres feiern die wilden Tiere miteinander ausgelassen ein Friedensfest ähnlich wie die norwegische, schwedische und finnische Mitsommernacht. Viele Jahre geht das gut bis eines Tages Neulinge in die Stadt kommen und behaupten, dass sie den allerschönsten Platz in London gefunden hätten.

Die tirozinierte Fabel hat zwei Schwerpunkte: auf der einen Seite die tierische Sichtweise auf London mit all seinen Sehenswürdigkeiten, auf der anderen Seite ein fast unlösbarer Streit, den die Skorpione durch unbedachte Worte auslösen. Zudem spielen Tiere eine Rolle, die in unseren Städten bislang noch nicht aufgetaucht sind, die aber in London tatsächlich leben, wie die neongelben Skorpione, die in der Dunkelheit leuchten oder die Grauhörnchen, die etwas größer und weniger scheu sind als unsere hiesigen Eichhörnchen. Außerdem findet man in London Pelikane und Halsbandsittiche.

Die klug gemachten Illustrationen sind von Christine Rösch, die einige Zeit in London gelebt hat. Sie hat sich für das Bilderbuch von der Malweise der Engländer inspirieren lassen.
     Auf der ersten Doppelseite sieht man einen Kartenausschnitt von London mit den Plätzen, die in der Fabel vorkommen. Dieser Kartenausschnitt wird anhand von Symbolen der jeweiligen Orte kindgerecht verdeutlicht. Auf der letzten Doppelseite sieht man denselben Kartenausschnitt, nun aber mit den Tieren und deren allerschönsten Plätze.
     Teilweise werden in monoszenischen Darstellungen Textausschnitte wiedergegeben, teilweise werden die Tiere, die gerade zum Streit beitragen, in ihrer üblichen Londoner Lebensumwelt gezeigt, dass heißt, es liegt stellenweise eine Parallelität von Bild- und Textebene und stellenweise das Prinzip des geflochtenen Zopfes vor.

Sprachlich kommen neben den Haupt- und Nebensätzen, Fragen und Imperative vor, der Streit zwischen den Tieren ist in direkter Rede verfasst und ergibt so ein Streitdialog.
     Der Text weist einige Besonderheiten auf: Die eine Besonderheit liegt darin, dass Tiere vorkommen, die in den klassischen Fabeln von Äsop und Phaedrus nicht vorkommen, wie die Grauhörnchen. Andere Tiere kommen zwar auch in den klassischen Fabeln vor, haben aber im vorliegenden Kinderbuch einen anderen Charakter. Das Reh beispielsweise beteiligt sich am Streit, dass ansonsten als sehr scheu und zurückhaltend gilt, oder der Fuchs, der in Europa ein „Sinnbild der Schlauheit und Hinterlist“ ist. Im Mittelalter erscheint der Fuchs sogar „als Symbol des Teufels, der Lüge, Ungerechtigkeit, Maßlosigkeit“ und Habsucht.1 In der vorliegenden Fabel wird er als ein weises und Streit schlichtendes Tier dargestellt, hat aber überhaupt nichts Hinterlistiges an sich.
     Einige Sätze sind zwar im deutschen Gebrauch etwas ungewöhnlich, da sie zum Beispiel eine Aneinanderreihung von Adjektiven aufweisen, dass aber Vorteile beim Vorlesen hat, da man eine Spannung aufbauen kann und die Fabel eine zusätzliche interessante Wirkung erhält.
     Außerdem ist die Fabel auf deutsch und auf Englisch zu lesen. Ins Englische wurde es von Michael A. Wright übersetzt, die englische Hörbuchfassung, die man über () http://www.amiguitos.de/142.html kostenlos abrufen kann, wurde von David Fermer gesprochen.
     Last but not least gibt es in diesem Buch ein Rezept von dem englischen Gebäck „Scones mit Clotted Cream“, das in der Fabel kurz erwähnt wird.

Das interkulturelle Bilderbuch vermittelt das Leben der wilden Tiere in einer englischen Großstadt, die im Glossar benannt werden und es wird beschrieben, auf welchem Weg sie nach Großbritannien gelangt sind, gleichzeitig bekommt man einen kleinen Einblick in das kulturelle Leben von London.


Das Aquarell gehört zur Werkgruppe Literatur wie auch beispielsweise Dada-Fachwerk mit Hans Arp.

Angaben zum Bild:

Malerei, Kunst, London, Claudia von Holten, Der allerschönste Platz, The most beautiful place, Modern ArtTitel: Perspektivwechsel
Aquarell auf Papier
entstanden: 2016
Größe (Breite x Höhe): 48 cm x 36 cm
Signatur: hinten

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> Bilder von der Ausstellung Im Wandel.


Angaben zum Buch:

zweisprachiges Bilderbuch, London, TiereClaudia und Annika von Holten: Der allerschönste Platz
Deutsch – Englisch
The most beautiful place
Übersetzung ins Englische: Michael A. Wright
Illustration: Christine Rösch
48 Seiten
gebunden
Alter: ab 7 Jahre
1. Auflage: 07.11.2014
Verlag: Amiguitos
ISBN: 978-3-943079-37-1
Preis: 14,90 €


1: vgl. Udo Becker: Lexikon der Symbole, Herder – Freiburg – Basel – Wien, 19987, S. 96, Spalte 2

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